Konzept der Tagung

   Die Tagung, die vom Lehrstuhl für Germanistik an der ältesten Universität Rumäniens in Iași/Jassy, der wichtigen Metropole an der süd-östlichen Grenze der Europäischen Union organisiert werden soll, übernimmt nicht zufällig in ihren Titel das bekannte Paul Celan-Zitat aus dessen Darmstädter „Meridian“-Rede : der thematische Verweis auf den mittelosteuropäischen Raum, aus dem Celan stammte, und seiner literarischen „Produktivität“ platziert in den Mittelpunkt der Debatten die wechselseitige Beziehung zwischen „Kultur-Landschaften“ und den sich daraus ergebenden Voraussetzungen künstlerischer Werke. Schon im 19. Jahrhundert und besonders im 20. Jahrhundert entwickelte sich unter dem Zeichen des technologischen Fortschritts, der damit verbundenen tiefen sozialen Veränderungen, der wachsenden Urbanisierung eine neue Qualität der kulturellen Kommunikation auf europäischer Ebene, die allmählich die die Kreativität anregende Pluralität zu einer wesentlichen Komponente des kontinentalen Ganzen begründete. Die Region Mittelosteuropa übernahm dabei eine symptomatisch modellhafte Funktion als leidgeprüfte Brücke zwischen Sprachen und Kulturen. In diesem Sinne spielte die von Celan heraufbeschwörte „U-topie“ – als erwünschte Öffnung zu gleichzeitig sozialen und individuellen befreiten Horizonten – die Rolle eines einschneidenden Stimulus für das literarische Schöpfen, in dem die Dialektik der Inhalte und der Formen zu einer räumlich uneingeschränkten Vielfalt der künstlerischen Ausdrucksmittel führte.
   All diese Aspekte sollen während der geplanten Tagung in ihren unterschiedlichsten Facetten analysiert werden : sowohl Untersuchungen zu theoretischen Perspektiven und in diesem Bereich anzusetzenden kulturwissenschaftlichen Begrifflichkeiten (wie z. B. „Raum“, „Gedächtnis“, „Identität“, „Differenz“ u.a.) als auch Beiträge zu ästhetisch relevanten Momenten, zu vielsprachigen dichterischen Persönlichkeiten und ihren Werken in und aus Mittelosteuropa dürfen in Iași eine Riege von erfahrenen und jungen Fachleuten aus Deutschland, Rumänien, Frankreich, Grossbritanien, Italien, Österreich, Ungarn, Polen, der Tschechischen Republik, Bulgarien und der Ukraine zum freien Ideenaustausch zusammen bringen. Die Tagung wird damit zu einer Gelegenheit reziproken Kennenlernens, der intellektuellen und wissenschaftlichen Vernetzung mit dem Ziel, dass ihre in einer Publikation gesammelten Ergebnisse sich in ihrem Ensemble zur Bestandsaufnahme der heutigen Forschung auf diesem breiten Gebiet bewähren.